Kleintierpraxis & Petshop "Adlergarten"
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Notfalldienst

Angstzustände von Hunden bei Gewitter und Feuerwerk

Allgemeines

In gefährlichen Situationen Angst zu haben, ist normal und für Mensch und Tier ein natürliches und zweckmässiges Verhalten. Übertriebene Reaktionen sind in dieser Hinsicht aber unerwünscht. Dem Tier kann die Ungefährlichkeit eines Ereignisses nicht erklärt werden, deshalb können wir es nur durch Gewöhnungsmassnahmen veranlassen, sich nicht mehr resp. weniger zu fürchten.

Angst kann sowohl eine angeborene wie auch eine erworbene Reaktion auf Ungewohntes sein. Dem Hund ist die Sicherheit seines Rudels die größte Beruhigung. Das heisst für Sie: Strahlen Sie in jedem Fall Ruhe und Sicherheit aus. Ihr Hund spürt, wenn Sie Angst um ihn haben oder unsicher sind. Hilfreich sind dabei Gedanken wie: Wir werden es alle überleben, es geht vorbei und es dauert auch nur höchstens eine halbe Stunde.

Die Überwindung der Angst besteht in jedem Fall darin, dass der Hund allmählich an die Geräusche gewöhnt wird, die ihm Angst bereiten („Desensibilisierung“).

Durch immer stärkere Reize wird der Hund schrittweise seine Verhaltensstörung verlieren. Das erfolgreiche Abgewöhnen geht mit einer Belohnung einher (Verabreichen von Leckerbissen). Diese Belohnung soll den Hund in eine positive Grundstimmung versetzen (Gegenkonditionierung).

Während eines Unwetters oder während eines Feuerwerkes kommen die Hunde in der Regel zu ihren Besitzern, um getröstet zu werden. Die Besitzer versuchen dann, durch verstärkte Zuneigung den Hund zu beruhigen. Diese Zuneigung verstärkt jedoch die Angstreaktion, der Hund empfindet die Streicheleinheiten als Belohnung für sein Verhalten. (Körperliche Bestrafung ist natürlich ebenfalls nicht sinnvoll). Die zweckmässige Reaktion des Hundebesitzers besteht darin, Gewitter (Lärm) und Angst des Hundes möglichst zu ignorieren.

Bieten Sie Ihrem Hund schon einige Tage vor dem Lärmereignis eine "Ersatzhöhle" an (Box, Kiste, mit Tischdecken bis Boden bedeckter Tisch, o.ä:), in die er sich zurück- ziehen kann. Stellen Sie diese Box in eine sichere Ecke des Zimmers.

 

Praktisches Vorgehen des Desensibilisierens

1. Aufnahmen von Gewittergeräuschen oder Feuerwerkslärm machen (Radio, Hörspielen, Fernsehen, Natur), resp. CD* kaufen.

2. Liegt der Hund einige Minuten ruhig in der Stube, wird er mit einem Leckerbissen (z.B. Knochen) belohnt und in positive Grundstimmung versetzt.

3. Ab Tonband wird Gewitterlärm zunächst leise, bei jeder „Sitzung“ etwas lauter abgespielt.

Im allgemeinen toleriert ein Hund nach 30 – 50 Übungen dieser Art die Geräusche auch bei voller Lautstärke. Ähnlich kann mit einer Schreckschusspistole versucht werden, den Hund an Schüsse (Knall- aute) zu gewöhnen. Zunächst wird der Schall durch mehrere Kartonkisten gedämpft, nach und nach wird Kiste um Kiste entfernt, bis der Hund auch bei ungedämpftem Knall keine panische Reaktion mehr zeigt.
Nach jedem Schuss wird der Hund mit einem kleinen Leckerbissen belohnt.

Während eines Unwetters (Feuerwerks) sollte sich der Hund in einem abgedunkelten Raum aufhalten, eruhigende Musik sollte abgespielt werden und der Hund sollte möglichst abgelenkt werden (Knochen, Spiel).

 

Medikamente

Bei der Bekämpfung von übermässiger Angst können verschiedene Medikamentengruppen eingesetzt werden:

- Beruhigungsmittel (Tranquillizer, Sedativa)
- Anxiolytika / Antidepressiva
- homöopathische Medikamente
- pflanzliche Medikamente

 

Beruhigungsmittel

Beispiele für Beruhigungsmittel:
Valium®, Sedalin®, Calmivet®, Aphenylobarbit® u.a.

Sie sollten eher für einzelne Gelegenheiten in Betracht gezogen werden wie:
1. August, Neujahr, heftiges Gewitter. Sie haben auch nur einen Effekt, der einige Stunden anhält.

Die Wirkung auf das einzelne Tier ist nicht genau voraussehbar, deshalb ist ein Ausprobieren der Medikamente (Wirkung, Dosierung) meistens unumgänglich. Falls das eine Medikament bei einem Individuum nicht resp. nicht genügend wirkt, kann ein anderes Medikament ausprobiert werden. Die Dauer und der Grad der Beruhigung ist meistens dosisabhängig. Vorsicht ist geboten bei älteren Tieren oder Tieren mit bekannter Herz- Kreislaufschwäche.

 

Anxiolytika / Antidepressiva

Beispiele: Anxiolyt®, Limbitrol®, Buspar®, Lexotanil®, Selgian® u.a.

Medikamente dieses Typs müssen über längere Zeit gegeben werden (Wochen) und können bei der Angewöhnung an unschädliche Reize (wie Lärm) gute Dienste leisten. Oft können die Medikamente nach und nach schwächer dosiert und schliesslich abgesetzt werden.

Trotz Medikamentengabe sollte das „Training an den Lärm“, wie beschrieben nicht vernachlässigt werden!

 

Komplementäre Behandlungen, Phytotherapie

- Hopfen-Eschscholtzia wirken als milde Beruhigungsmittel. Die Wirkung tritt erst nach mindestens 2-wöchiger Verabreichung ein. (Kapseln: Power Vet GmbH)
- Passionsblume, Hopfen u.a. (Tropfen: Bioforce AG)
- Bachblüten